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Besinnung:

Liebe Leserin, lieber Leser!
Ein Psalmvers – der Sehnsucht gewidmet. Ein Psalm ist ja nicht nur Gebet, sondern auch ein Lied. Und was könnte besser geeignet sein als ein Lied, als die Musik, um der Sehnsucht Ausdruck zu geben?
In der Sehnsucht spüren wir unser tiefstes Bedürfnis. Wir sind verbunden mit dem, was uns viel bedeutet, was uns am wichtigsten ist. Wir spüren, wer oder was uns fehlt oder wenigstens, dass uns etwas fehlt. Auch wenn wir nicht genau benennen könnten, was es ist. Der Dichter Robert Walser formuliert: „Mir fehlt etwas, wenn ich keine Musik höre. Und wenn ich Musik höre, fehlt mir erst recht etwas.“

Wonach sehnen Sie sich? Danach, einmal aus dem Sorgenkarussell aussteigen zu dürfen? Danach, dass nach einer Krankheit die alten Kräfte wiederkehren?

In den heißen Augusttagen dieses Sommers sehne ich mich nach Abkühlung. Und bin nicht die Einzige. Wann wird es endlich regnen, wann lässt uns eine frische Brise wieder aufatmen? Mensch und Tier, Flüsse und Pflanze leiden unter Trockenheit und Dürre. Und wenn wir in diesem Herbst Erntedank feiern, wird uns sicher ganz besonders bewusst, wie elementar wir darauf angewiesen sind, dass Gott früh‘n und späten Regen sendet. Und dass die Schöpfung es braucht, dass wir sie schützen und schonen. „Die ganze Schöpfung seufzt und sehnt sich“ – schreibt Paulus im Römerbrief und weitet damit meinen Blick über meinen kleinen privaten Horizont hinaus. Das tun auch die Tränen der Frau und ihrer drei Töchter in Istanbul. Die Flucht aus Syrien hat die Familie getrennt. Der Ehemann und Vater hat es nach Deutschland geschafft. Nach drei Jahren hoffen sie nun auf die Erlaubnis, nachkommen zu dürfen. Gepeinigt von der (bisher) vergeblichen Sehnsucht, einander endlich wieder in die Arme schließen zu dürfen!

Da ist der Schmerz der Sehnsucht ganz offenkundig. Manchmal allerdings schämen wir uns unserer Sehnsucht und verbergen sie. Manchmal so gut, dass wir sie selbst nicht mehr merken und auch die Sehnsucht anderer nicht mehr spüren. Unsere Seele wird zu einer Art innerem Ausland. Zu einer trockenen und dürren Landschaft. Dann hört vielleicht nur noch Gott das Lied der Seele, ihr Seufzen und Sehnen.

„Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem dürren Lande, wo kein Wasser ist.“ (Psalm 63). Die alten Lieder wissen: Bei Gott sind Seufzen und Sehnen gut aufgehoben. Er macht sie stark und lebendig. Denn die Sehnsucht führt uns zu unserem innersten wahren Wesen und zieht uns zugleich über uns hinaus. Ein starkes Band, das verbindet, miteinander und mit Gott.

Ihre Pfarrerin
Katrin Büttner

Kommende Termine

21 Okt 2018
09:30 Uhr
Matthäuskirche
21 Okt 2018
10:45 Uhr
Kreuzkirche
21 Okt 2018
18:00 Uhr
Konzert
23 Okt 2018
16:00 Uhr
Gebet
28 Okt 2018
09:30 Uhr
Matthäuskirche
28 Okt 2018
10:45 Uhr
Kreuzkirche
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